Der Arbeitsspeicher ist bei einem WordPress-VPS der häufigste Engpass. Ist er zu knapp, streiten sich die PHP-Prozesse um Platz und die Website wird entweder langsamer oder wirft Fehler. Zahlen Sie umgekehrt unnötig viel voraus, bezahlen Sie Leistung, die Sie nicht nutzen. In diesem Artikel gehen wir durch, wie viel RAM für WordPress wirklich Sinn ergibt — und vor allem, woran Sie es erkennen, denn eine universelle Zahl gibt es nicht.
Gleich vorweg ein Hinweis: Lassen Sie sich nicht von Marketingtabellen verleiten, die „eine Website für 100.000 Besuche auf 1 GB RAM" versprechen. So eine Zahl gilt nur für eine ideale, gut gecachte Website ohne anspruchsvolle Plugins. Die Realität ist bunter und der Speicher geht schneller zur Neige, als die Preisliste suggeriert. Schauen wir also, was den Verbrauch wirklich treibt.
Was bei WordPress den Speicher verbraucht
Um Ihren Speicherbedarf zu schätzen, hilft es zu wissen, wohin er eigentlich geht. Auf einem typischen VPS teilen sich vier Gruppen den RAM: das Betriebssystem, der Webserver, PHP und die Datenbank. Jede hat einen anderen Appetit und verhält sich bei wachsendem Traffic anders.
Betriebssystem und Hintergrunddienste
Linux selbst belegt mit normaler Konfiguration rund 300 bis 500 MB, bevor die erste Seite überhaupt lädt. Dazu kommen Hintergrunddienste — etwa Antispam für die Mail oder Monitoring. Das ist feste Grundlast, die Sie ständig auf dem Server haben, ob ein Besucher kommt oder nicht. Genau deshalb ist diese Grundlast auf den kleinsten 1-GB-VPS so spürbar: Für die Website selbst bleibt weniger, als Sie erwarten.
PHP-Prozesse — die Hauptvariable
Jede gleichzeitige Anfrage an eine nicht gecachte Seite startet einen PHP-Prozess, der typischerweise 40 bis 120 MB belegt, je nach Anzahl und Schwere der Plugins. Das Schlüsselwort ist „gleichzeitig" — es zählt nicht, wie viele Menschen pro Tag kommen, sondern wie viele der Server im selben Moment bedient. Die Zahl der gleichzeitigen PHP-Prozesse mal ihrer Größe erzeugt den größten Druck auf den Speicher.
Diese Zahlen haben eine direkte praktische Folge: Belegt ein PHP-Prozess 100 MB und Sie wollen zehn gleichzeitige Anfragen bewältigen, brauchen Sie allein für PHP rund 1 GB — und da sind System und Datenbank noch nicht mitgerechnet. Deshalb „löst sich" der Speicher bei dynamischen Websites schneller auf, als es scheint.
Die MySQL-Datenbank
MySQL hält Puffer im Speicher für schnelle Abfragen. Bei einer kleinen Website reichen ein paar hundert MB, bei einem großen Katalog oder Shop wächst es in den Gigabyte-Bereich. Je mehr Speicher die Datenbank bekommt, desto seltener greift sie auf die Festplatte zu — und desto flotter antwortet die Website. Geht der Speicher zur Neige, wird meist die Datenbank zuerst gedrosselt, und es zeigt sich als träges Laden von Administration und Website.
Plugins entscheiden mehr als die Besucherzahl
Reines WordPress mit Theme ist genügsam. Was den Speicher wirklich hochtreibt, sind Page-Builder (Elementor, Divi), schwere SEO- und Cache-Plugins und vor allem WooCommerce. Dabei gilt: Zehn gut programmierte Plugins belasten den Speicher weniger als drei schlecht programmierte. Schauen Sie vor der VPS-Wahl daher eher auf die Schwere der Plugins als auf ihre Zahl — und entfernen Sie inaktive ganz, wo es geht.
Auch der Cache spielt eine große Rolle. Mit gut eingerichtetem serverseitigem Caching (LiteSpeed Cache, Redis) bedient der Server einen großen Teil der Besuche aus dem Speicher, ohne PHP überhaupt zu starten. Das senkt den effektiven RAM-Bedarf deutlich — dieselbe Website ohne Caching kann doppelt so viel Speicher brauchen wie mit.
Die Tabelle: wie viel RAM wählen
Die folgenden Werte gehen von einer normalen Konfiguration (LiteSpeed oder Nginx + PHP-FPM + MySQL) und aktiviertem serverseitigem Caching aus, sodass ein großer Teil der Besuche PHP gar nicht startet:
- 1 GB RAM — ein privater Blog oder eine kleine Präsentation bis ~10.000 Besuche pro Monat, ein paar leichte Plugins.
- 2 GB RAM — eine Firmenwebsite oder ein Blog mit Page-Builder, bis ~50.000 Besuche. Der häufigste vernünftige Start.
- 4 GB RAM — ein kleinerer WooCommerce-Shop oder eine Website mit vielen Plugins, bis ~150.000 Besuche.
- 8 GB RAM und mehr — ein stärker frequentierter Shop, ein Mitgliederbereich oder mehrere Websites auf einem Server.
Nehmen Sie die Tabelle als Ausgangspunkt, nicht als Dogma. Eine Website mit leichtem Theme und cleverem Caching bewältigt locker den doppelten genannten Traffic, während ein schwerer Shop die Obergrenze früher erreicht.
Wie man den aktuellen Verbrauch misst
Die beste Schätzung ist die aus eigenen Daten. Wenn Sie bereits einen VPS betreiben, schauen Sie auf den echten Speicherverbrauch — unter Linux mit free -m für den Momentanzustand oder htop für eine Prozessübersicht. Viele Hostings zeigen zudem einen RAM-Auslastungsgraphen direkt im Control Panel, wo Sie auch die Spitzen im Tagesverlauf sehen. Erst dann wissen Sie, ob Sie Reserven haben oder sich der Obergrenze nähern.
Swap: eine Rettung, keine Lösung
Geht der physische RAM aus, greift das System zu Swap — es lagert einen Teil des Speichers auf die Festplatte aus. Das hält die Website am Leben, aber um den Preis einer deutlichen Verlangsamung, denn die Festplatte ist um Größenordnungen langsamer als der Speicher. Sehen Sie Swap daher als Sicherheitspolster für kurze Spitzen, nicht als Ersatz für fehlenden RAM. Swappt der Server regelmäßig, ist das ein klares Signal, dass der Speicher knapp ist.
Mehrere Websites auf einem Server
Ein häufiges Missverständnis entsteht, wenn Sie mehrere Websites auf einen VPS legen. Der Speicher addiert sich nämlich nicht bequem — jede Website hat eigene PHP-Prozesse und ihren Anteil an der Datenbank, sodass drei kleinere Websites auf einem Server zusammen mehr verbrauchen können, als Sie erwarten. Wenn Sie mehrere Projekte betreiben wollen, kalkulieren Sie zusätzliche Speicherreserve und greifen lieber gleich zu einem höheren Tarif.
Wie man erkennt, dass der Speicher ausgeht
Neben Swap beobachten Sie auch das Verhalten der Website: eine träge Administration, gelegentliche Out-of-Memory-Fehler oder PHP-Abstürze bei Importen und Updates sind typische Symptome. Bleiben Sie umgekehrt monatelang weit unter dem Limit, können Sie ruhig auf einem kleineren Tarif bleiben oder sogar herabstufen. Der Vorteil eines VPS ist, dass sich der Speicher bei den meisten Anbietern in Minuten ohne Migration aufstocken lässt.
Bevor Sie aber überhaupt auf einen VPS umsteigen, vergewissern Sie sich, dass Sie ihn brauchen — für viele Websites reicht gutes Shared Hosting noch lange. Wann der Umstieg ansteht, behandeln wir im Artikel Wie viel Traffic verträgt Shared Hosting. Und wenn Sie unsicher sind, ob Sie den Server selbst verwalten wollen, lesen Sie den Vergleich von Managed und unmanaged VPS.
Einen VPS mit 2 GB RAM gibt es ab rund 8 € pro Monat; prüfen Sie bei Anbietern mit Einführungsrabatt immer auch den Verlängerungspreis, damit Sie nach einem Jahr keine Überraschung erleben. Den Unterschied zwischen Einführungs- und Verlängerungspreis behandeln wir im Artikel Vorsicht bei Einführungspreisen.